Abschlussberichte - Sonderveranstaltungen

27.11.2016: Weinbaupolitische Tagung

Thema: Einfacher oder besser? – Umstrittene Reformen der EU-Weinbau­politik
Datum 27-11-16 Zeit 11:00 - 12:30 Uhr

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Die Ankündigung der Reformen der EU-Weinbaupolitik sowie der aktuelle Vereinfachungsprozess der EU-Kommission gibt seit einiger Zeit Anlass zu massiver Kritik seitens der Weinbranche, des Europäischen Parlamentes und der Weinbau treibenden Länder. Daher hatte der Deutsche Weinbauverband e.V. (DWV) in Kooperation mit dem baden-württembergischen Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) Vertreter der deutschen und italienischen Weinbaubranche sowie hochrangige Repräsentanten aus der Politik eingeladen, das Thema während einer weinbaupolitischen Veranstaltung anlässlich des 62. Deut­schen Weinbaukongresses zu erörtern. Was die EU-Kommission als „einfachere“ oder „bessere“ Regelung versteht, wird von der Weinbranche oft gegenteilig gesehen. Daher nutzten Branchen- und Politikvertreter die Gelegenheit, um den zahlreichen Teil­nehmern alternative Wege aufzuzeigen, die der europäischen Weinbranche bessere Rahmenbedingungen bringen sollen. Alle Beteiligten waren sich darüber einig, gemeinsam für einfachere und bessere Regelungen zu streiten, die den Betrieben Rechts­sicherheit geben.

 

 

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27.11.2016: Seminar Konsortien

Thema: Management der geschützten Herkunftsbezeichnungen in der EU – Italienische Konsortien als Vorbild?
Datum 27-11-16 Zeit 15:00 - 17:00 Uhr

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Auf Einladung des DWV diskutierten 75 Vertreter der europäi­schen Weinbaubranche auf der Tagung „Management der ge­schützten Herkunftsbezeichnungen in der EU – Italienische Kon­sortien als Vorbild“ über die konkreten Folgen der vollständigen Einbeziehung des Weinrechts in die Gemeinsame Agrarmarkt­organisation.

Durch die Reform des EU-Weinrechts wurde insbesondere die Zuständigkeit für die Ausgestaltung der Produktspezifikationen für Weine mit geschützten Herkunftsbezeichnungen (sog. Lasten­hefte) aus der Hand des Staates in die Hand der Weinbranche übertragen. Diese Verlagerung der Zuständigkeit hat unterschied­liche Auswirkungen in den einzelnen Mitgliedstaaten. Es gibt Mitgliedstaaten, wie zum Beispiel Italien (und auch Frankreich), die seit Jahrzehnten Erfahrung mit dieser Art Selbstverwaltungs­organisationen haben. In Deutschland dagegen fehlt bisher eine entsprechende Organisationsstruktur.

Getreu dem Motto „Von Nachbarn lernen“ wurden in der Veran­staltung von Vertretern aus Italien, dem diesjährigen Partnerland der INTERVITIS INTERFRUCTA HORTITECHNICA, das italieni­sche DOP-System und das System der Konsortien umfassend vorgestellt.

Der DWV resümierte: „Wenn wir uns die Erfahrungen in Italien ansehen, dann dürfen wir nicht vergessen, dass Rom nicht an einem Tag erbaut wurde. Seit 1963 (Dekret 930) wurde das italienische System Schritt für Schritt eingeführt. Wichtig ist, dass wir in Deutschland nicht bei unseren bisherigen Regelungen stehen bleiben, sondern uns auf den Weg machen, um die Herkunft als Qualitätskriterium weiter zu entwickeln. Dies wollen wir auch an unserem DWV Stand mit der Vorführung „Herkunft hat Zukunft“ verdeutlichen.“

Kongress- und Messebesucher konnten sich über das EU-System der geschützten Herkunftsbezeichnungen und das Management von Produktspezifikationen im Rahmen einer ausführlichen Präsentation am Stand des Deutschen Weinbauverbandes e.V. informieren.

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28.11.2016: Steillagentagung

Thema: Hat der Weinbau in Steillagen und auf Terrassen eine Zukunft in Europa?
Datum 28-11-16 Zeit 14:00 - 17:00 Uhr

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Die Tagung wurde vom DWV und dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) in Kooperation mit der Versammlung der Europäischen Weinbau­regionen Europas (AREV) durchgeführt. An der Tagung nahmen über hundert Experten aus Weinbau und Politik aus ganz Europa teil.

Mehrere Redner verwiesen auf die ungünstigen Betriebsgrößen­strukturen sowie auf Flurstückszersplitterungen bei oftmals un­günstiger Erschließung und nicht ausgeschöpfter Rationalisie­rungsreserven, die zu einem viel höheren Arbeitsaufwand gegen­über Direktzuglagen führen. Zudem laufe der Absatz von Weinen aus Steillagen vielfach auf einem Preisniveau, das gemessen am Produktionsaufwand, viel zu niedrig ist. „Der Rückgang des Weinbaus in vielen Steillagengebieten zeigt, dass diese Weine aus Kostengründen am globalisierten Weinmarkt häufig nicht wettbewerbsfähig sind. Aber nicht nur Brüssel ist gefordert, auch in den Regionen muss eine größere Akzeptanz für die Steil­lagenförderung erreicht werden. Deshalb arbeiten wir auch in Baden-Württemberg daran, eine Staatsbeihilfe zur Unterstützung der Handarbeitslagen zu schaffen. Vorgesehen ist ein jährlicher Zuschuss von 3.000 Euro pro Hektar.“, sagte Staatsekretärin Gurr-Hirsch.

Ein Themenschwerpunkt der Tagung bildeten daher die techno­logischen Entwicklungen im Steillagenweinbau. Sie sind ein ent­scheidender Faktor, um den Steillagenweinbau wettbewerbs­fähiger zu machen und damit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der wertvollen, landschaftsprägenden Kulturlandschaften zu leisten. Die Möglichkeiten von technischen Erleichterungen beim Pflanzenschutz durch Einsatz unbemannter Spritzhubschrauber sowie bei der Ernte durch Einsatz neuer Steillagenvollernter im Steilhang wurden dargestellt.

Das erste von zwei sich anschließenden sehr interessanten Round Table-Gesprächen mit Teilnehmern aus der europäischen Weinbranche und einer Marketingexpertin befasste sich mit der Frage, wie die Konsumenten auf Steillagenweine im Markt reagie­ren, also nach deren Bereitschaft, den erhöhten Arbeitsaufwand bei der Produktion der Weine durch Zahlung auch angemessener Preise zu honorieren.

Thema der zweiten Gesprächsrunde mit Teilnehmern aus der Landes- und Europapolitik sowie des Regionalmarketings war die umfassende Fragestellung, ob der Erhalt der Kulturlandschaften auch eine gesellschaftliche Aufgabe ist.

Als Fazit der Tagung ist festzuhalten: Ohne eine Optimierung der Steillagenbewirtschaftungstechnik und ohne gezielte neue und kreative Marketingmaßnahmen, die die Bereitschaft der Konsu­menten wecken, Steillagenweine mit angemessenen Preisen zu honorieren sowie der Einbindung in ein regionales Gesamtkonzept wird der Steillagenweinbau auf Dauer keine Überlebenschance haben. Gesellschaftliche Solidarität ist daher wesentliches Ele­ment für den Erhalt des Steillagenweinbaus, zumal er sich nicht dauerhaft auf Fördermaßnahmen stützen kann.

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